Die 14 größten Fehler beim Sprachenlernen Teil 1

1.) Vokabeln lernen

Wir erinnern uns alle noch daran, wie viel Arbeit und Nerven es uns gekostet hat, die Vokabeln in der Schule auswendig zu lernen. Dann hat der Lehrer diese schwer zu merkenden Wörter abgefragt und trotz aller Paukerei hat man oft nicht genug für eine Zwei gewusst. Deprimierend.

Was du stattdessen tun solltest

Wenn du Vokabeln einzeln lernst, werden sie nicht hängen bleiben. Du brauchst den Kontext, damit wird es viel leichter. So lernst du gleich mehrere Wörter und wie sie benutzt werden. Das Beste daran ist, dass du dir das Thema selber aussuchen kannst. Je interessanter der Kontext für dich ist, desto mehr wird hängen bleiben. Du kannst Vokabeln und Grammatik genauso mit Schundromanen, Fachzeitschriften oder Sportmagazinen lernen. Du wirst sehen, dass der Zusammenhang und der interessante Inhalt es dir viel leichter macht, die Wörter und ihre Bedeutungen im Gedächtnis zu behalten. Gleichzeitig bekommst du noch jede Menge Formulierungen, die du gleich so übernehmen und nicht mehr selbst konstruieren musst.

2.) Die Bedeutung und die Konnotationen nicht verstehen

Das Problem beim Vokabellisten pauken ist, dass man dabei nicht lernt, was ein Wort genau in verschiedenen Situationen bedeutet. Für viele Dinge gibt es mehrere Ausdrücke oder Synonyme. Vokabellisten sagen dir nicht, welches man in welchem Zusammenhang benutzt. Die Liste sagt dir auch nichts darüber, wie man in der Sprache deiner Wahl Ironie und andere Stilmittel einsetzt. Dafür musst du den Kontext bemühen, der bei der Liste aber fehlt. Darüber hinaus lernst du in den meisten Büchern nur eine Anwendung. Aber wie bei einem Legobaukasten kann man auch hier mehrere verschiedene Dinge daraus bauen. Und nicht nur eine Sache.

Was du stattdessen tun solltest

Wenn du ein Wort benutzt, dann solltest du nicht nur die Entsprechung in der anderen Sprache können, sondern auch die Bedeutung, also die Definition und wie es gemeint ist. Und das lernst du nur, indem du mehrere Texte benutzt. Ein Beispiel: Das englische Wort power kann unter anderem Kraft, Macht oder auch Strom heißen. Wenn du englisch lernst, ist die Sache einfach, für drei Dinge musst du dir nur ein Wort merken, für den Amerikaner ist es aber unmöglich, die richtige Entsprechung zu wählen, wenn er die Kontextbedeutung nicht gelernt hat. Wenn sein Handy leer ist, wird er dich nach „der Macht“ fragen.

3.) Grammatik stur auswendig lernen

Grammatik wird oft wie mathematische Gesetze einfach stur auswendig gelernt. Sprache ist aber komplex, sie lebt und passt sich den Absichten des Autors und verschiedenen Situationen an. Wenn man Grammatik wie starre Gesetze lernt und das Konzept dahinter nicht versteht, macht man permanent Fehler, denn die Beispiele in den Büchern decken nur einen Teil der Anwendung ab und eine grammatikalisch richtige Anwendung kann immer noch falsch sein, weil es nicht das ausdrückt, was man eigentlich sagen will.

Ein Beispiel dafür wäre die falsche Anwendung des Konjunktivs, denn es macht einen Unterschied, ob etwas in der indirekten Rede nur wiedergegeben oder ohne Konjunktiv wiederholt und mit der Meinung des Sprechers verwechselt wird. Es gibt sicher ein paar Leute, mit denen du nicht einer Meinung bist und von denen dich sprachlich distanzierst, indem ihr den Konjunktiv anstatt des Indikativs benutzt. So verschwimmen schnell die Grenzen dazwischen, was jemand tun wird, werde und wolle, aber vielleicht niemals tun würde.

Was du stattdessen tun solltest

Man muss das Konzept dahinter verstehen und sich die richtige Anwendung in der Praxis wie eine Fähigkeit antrainieren. Nur ein paar Übungen zu machen und etwas stur auswendig zu lernen, führt hier nicht zum Erfolg, höchstens zur Blamage und zu Missverständnissen.

4.) Angestrengt versuchen zu lernen oder unter äußerem Druck lernen

Sich etwas in den Kopf hineinzwingen, funktioniert nicht. Es kostet dich nur unnötig viel Zeit. Vielleicht erinnerst du dich daran, wie lange du in der Schule pauken musstest, um etwas zu lernen und wie schnell du etwas gelernt hast, das dich wirklich interessiert hat, als du nicht unter Druck standest und keiner bestimmte Resultate von dir verlangt hat. Unter Druck lernen ist, wie mit 20 kg extra einen Marathon zu laufen und nicht anzukommen.

Was du stattdessen tun solltest

Am besten lernt man, wenn man entspannt ist und Spaß dabei hat. Wenn du also keine Lust auf das Buch, den Text oder eine bestimmte Übung hast, mach sie nicht und mach stattdessen etwas Anderes, das mehr Spaß macht. Das bedeutet auch, dass du aus unangenehmen Dingen lustige Spiele oder interessante Dinge machen kannst. Ein Beispiel: Niemand liest gerne trockene Lehrbuchtexte. Aber jeder hat persönliche Interessen. Arbeite einfach mit Content, also Videos, Texte, Audiobücher, Spiele, die dich brennend interessieren. Ohne Druck zu lernen ist, wie einen Marathon mit vielen kleinen Sprints und Pausen zu machen, wenn du an einem schönen Teil der Strecke vorbei kommst. So kommst du ganz entspannt und schnell an und hast nebenbei noch viel Neues entdeckt.

5.) Zu wenig die Fremdsprache hören

Der Hauptgrund für Akzente und schlechte Aussprache liegt darin begründet, dass die meisten Leute ihre Fremdsprache zu selten hören. Das ist ein Problem, denn so wissen sie nicht, wie sich die Fremdsprache richtig anhört. Daher formen sie die meisten Laute falsch, setzen die Betonungen an der falschen Stelle und kriegen die Satzmelodie nicht hin. Das klingt dann so, wie wenn Leute, die überhaupt nicht singen können, bei DSDS auftreten. Es tut einfach nur weh und ist für den Zuhörer absolut kein Vergnügen.

Was du stattdessen tun solltest?

Die Lösung ist denkbar einfach: Hör einfach so viel wie möglich die Fremdsprache. Radio, Musik, Fernsehen, Interviews, etc. Der meiste Content, der dich interessiert, ist auch in anderen Sprachen verfügbar und oft ist er sogar billiger. Wer sagt, dass das Sprachenlernen etwas kosten muss? Wenn ich alles zusammenrechne, was ich mit diesem Trick gespart habe, dann sind das über 1000 € im Jahr!

6.) Das Konzept nicht verstehen und alles nur stur pauken

Egal, was du bei einer Sprache lernst, wenn du den Hintergrund nicht verstehst, dann wirst du dich damit blamieren und auf Dauer schwer zu verstehen sein. Das ist natürlich kein Problem, wenn du eine ungezwungene Unterhaltung mit einem Freund oder einer neuen Bekanntschaft führst. Diese Leute mögen dich ja und wollen wissen, was du zu sagen hast.

In einem anderen Kontext, bei der Arbeit, bei Verhandlungen oder Vorträgen schalten die Leute aber einfach ab. Sie werden sich keine Mühe geben, dich zu verstehen.

Was du stattdessen tun solltest

Sprachen folgen immer verschiedenen Konzepten, die man verstanden haben muss, wie der Bedeutung eines Wortes, wie funktioniert der Satzbau, wie denken die Leute in dieser Sprache, wie formulieren sie etc. Versuch immer das Konzept zu verstehen. Extrahiere das Konzept, merke dir ein paar Beispiele und setze dann einfach deine Inhalte in diese Strukturen ein. Damit eliminierst du auch die meisten Konstruktionsfehler, schaffst dir eine simple Blaupause und musst beim Reden weniger über die Fremdsprache nachdenken.

7.) Beim Sprechen einfach alles ableiten

Jeder, der Latein gelernt hat und Deutsch versteht, kann sich aus anderen romanischen und germanischen Sprachen Dinge ableiten. Zusammen mit dem Kontext funktioniert das oft sehr gut beim Lesen. Beim Lesen. Aber wirklich nur beim Lesen. Vielleicht wird jetzt der eine oder andere sagen, dass es beim Zuhören ja auch geht. Davon rate ich entschieden ab, weil viele Leute nicht genau genug hinhören, keine Recherche machen und oft den Unterschied zwischen Schriftsprache, Umgangssprache und Dialekt nicht überprüfen.

Wörter, die man nicht kennt, einfach aus dem Deutschen zu entlehnen und einen Germanismus in einer anderen Sprache draus machen, wie Handy zum Beispiel oder ganze Redewendungen einfach zu übersetzen, funktioniert nie. Negativbeispiele: Wörtliche „Übersetzungen“ von Ausdrücken wie: Das ist nicht umsonst, Das kann man so stehen lassen. Das ist kein Wunschkonzert. Jetzt sitzen wir in der Tinte.

Klingt logisch, machen aber trotzdem sehr viele Leute und je mehr Eifer sie an den Tag legen, desto schlimmer wird es. Keine deutschen Ausdrücke und Metaphern mehr zu benutzen, ist schwierig, weil man sich dazu seiner eigenen Wortwahl bewusst werden muss. Zusätzlich muss man sich dessen bewusst werden, was man eigentlich sagen will. Das ist am Anfang natürlich schwer, aber so lernt man nebenbei, wie man sich auch in der Muttersprache besser ausdrücken kann.

Was du stattdessen tun solltest

Dem kannst du Abhilfe schaffen, indem du deine Botschaft stichpunktartig aufschreibst, alle Redewendungen eliminierst und dann erst diese pure Botschaft in der Fremdsprache ausdrückst. Das klingt nach viel Arbeit, ist es aber nicht. Denn du wirst im Alltag immer wieder feststellen, dass du immer wieder dieselben Dinge sagst. Nach ein paar Wochen klappt das dann auch in der Fremdsprache. Die Übung ist nur dazu da, um dich darauf aufmerksam zu machen und dich immer wieder daran zu erinnern. Es ist ganz leicht. Du wirst schon sehen.

8.) Den Satzbau der Fremdsprache nicht lernen und einfach weiter „Deutsch“ reden

Eine andere Sprache ist eine andere Sprache und folgt auch einer anderen Grammatik, hat andere Stilmittel und auch anderen Satzbau. Wir haben beispielsweise 4 Fälle und können so den Akkusativ leicht vom Nominativ und vom Dativ unterscheiden. Daher haben wir im Deutschen auch ganz andere Freiheiten beim Satzbau. Wir invertieren auch oft (das bedeutet, wir vertauschen Satzteile und ändern damit die Abfolge innerhalb des Satzes, wie bei einer Frage zum Beispiel: Hast du die Tür abgeschlossen?).

Andere Sprachen haben das an anderen Stellen. Das bedeutet, der Satzbau, mit dem wir denken und den viele einfach so in die Fremdsprache übernehmen, funktioniert nicht und führt automatisch zu Fehlern und Missverständnissen. Wer hat wem was gegeben? Wer hat wen jetzt geschlagen? Du hast die Tür abgeschlossen. Oder: Hast du die Tür abgeschlossen?

Was du stattdessen tun solltest

Daher solltest du niemals den deutschen Satzbau einfach so übernehmen. Fremdsprachige Texte sind ein Fundus an anschaulichen Beispielen, wie es in der anderen Sprache funktioniert. Du musst das nur analysieren, die wichtigsten Satzkonstruktionen extrahieren (es sind auch nur eine Handvoll) und damit üben. (Warum wird das in der Schule eigentlich nie geübt?)

Zum leichteren Verständnis kannst du den fremdsprachigen Satz und die Übersetzung untereinander schreiben und die einzelnen Satzteile mit verschiedenen Farben markieren. Dann kannst du leicht sehen, wie sich die Satzteile verschieben und zum besseren Verständnis Pfeile einfügen. Tipp: Diesen Pfeilmustern kannst du dann Namen geben, damit du sie dir leichter merken kannst.

Weiter geht’s in Teil 2

Bis gleich

Wolfgang Steinhauer

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